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colormusic

colormusic History

Geschichtliche Hintergründe der Farbmusik

Ton und Farbe stehen seit Urzeiten in einer engen Verbindung. Dies bezeugen Wortanalogien wie Farbton und Tonfarbe. Bereits aus alttestamentarischer Zeit gibt es Hinweise, daß die sieben Farben des Regenbogens den sieben Tönen der Tonleiter entsprechen.

Aus verschiedensten alten Kulturen sind Farbe-Ton-Analogien überliefert. Bis tief in das Altertum reichen die Spuren einer musikalischen Malerei und Architektur. Durchgeführte Vergleiche zwischen Metren, Tonleitern und Farbenreihen sind bereits aus den indischen Vedas (Albrecht Weber; Über die Metrik der Inder), aus dem alten China, Persien und Arabien überliefert. Aristoteles wurde von der Idee geleitet, Farbzusammenstellungen auf denselben einfachen Zahlenverhältnissen beruhen zu lassen wie musikalischen Konsonanten. Vitruv Simonides und Horaz empfahlen, Architektur nach denselben Zahlenverhältnissen zu planen.

Vor Erfindung der klassischen Notenschrift begegnet uns im 11. bis 13. Jahrhundert die diastematische Notenschrift mit farbigen Linien und Darstellung der Tonhöhen in rot, gelb und grün.

In der Renaissance griffen Leonardo da Vinci und Cardano (Opus novum de Proportionibus, Basel 1570) die Lehren des Aristoteles auf.

Im 17. Jahrhundert wurde der deutsche Jesuit Athanasius Kircher (1602 - 1680) als "Universal-Synästhetiker" bekannt, der in Lehrbüchern zur Optik und Akustik Farben den Tönen oder Intervallen zuordnete.

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Mit systematischen Betrachtungen des Phänomens Farbe-Ton beschäftigte sich später Sir Isaac Newton (1643 - 1727), nach Zeugnis Voltaires von Kircher angeregt. Er ließ Sonnenlicht durch ein Prisma in einen dunklen Raum fallen, projizierte das entstandene Farblichtspektrum auf eine ebene Fläche und vermaß mit einem Maßstab die Größen der Farbbereiche, die er sodann den sieben Tönen der Tonleiter zuordnete.

Aus dem Jahr 1739 ist der Versuch des Komponisten Georg PhilippTelemann überliefert, welcher, ebenso wie sein Zeitgenosse, der Jesuitenpater L. B. Castel (1725), eine Augenorgel, ein Augenclavizimbel im Sinn hatte. Die Farben sollten zunächst mittels Kästchen, Fächern, Gemälden oder Laternen erzeugt werden. Später versuchte Castel ein Modell mit Wachskerzen zu bauen.

Musiker der Romantik, wie Liszt, Mussorgskij, Reger u. a., vertonten Gemälde in einigen ihrer Kompositionen.

Im 19. Jahrhundert versuchte der in Großbothen in Sachsen lebende Gelehrte Ostwald der Goetheschen Farblehre nachgehend eine Neuordnung des Farbensystems und experimentierte ebenfalls mit Klangentsprechungen der einzelnen Farben.

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In den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts wurden einige farbmusikalische Kunstaktionen bekannt: Der russische Komponist Alexaner Skriabin (1871 - 1915) ließ mittels eines Farblichtklavieres erzeugte Farben zur Musik seiner symphonischen Dichtung Prometheus auf einer Leinwand erscheinen.

Hierfür wurde ein von seinem Freund Alexander Moser gebautes Farbklavier verwendet, ein einfacher Apparat, welcher aus zwölf farbigen Lampen und zwölf Drucktasten bestand und heute im Moskauer Skriabinmuseum zu sehen ist. Im Museumsführer heißt es: In the last years of his life, Scriabin endeavoured to expand the range of music further harmoniously combining the the music, the word, the movement, the colour and the light, to produce a universal work of art wich would have a much stronger impact.

Skriabin behandelte die Farblichtstimme in seiner Komposition rein homophon und notierte sie als clavier a lumieres in Noten, deren Farbenbedeutung nicht klar überliefert ist. Erst nach seinem Tod kam es zuerst in New York zur Aufführung seiner Farblichtstimme, wobei die Farbentonleiter des Engländers A. Wallace Remington zugrundegelegt wurde, der sich selbst schon Gedanken zu einem Farb-Ton-Instrument gemacht hatte.

1913 fügte Arnold Schönberg Farbfolgen in seine Komposition Die glückliche Hand ein.

In den 20er und 30er Jahren trat der Amerikaner Thomas Wilfred unter Stokowsky mit seinem Clavilux auf und Claude Bariton mit seinen Song and Light - Konzerten. Beide verzichteten jedoch auf eine feste Beziehung zwischen Tonhöhen und Farben.

Bemerkenswert ist auch das Werk des ungarischen Musikers A. Lazlo Präludien für Klavier und Farblicht (1926). Mit einem elektrischen Apparat projizierte Lazlo das Farblicht auf eine Leinwand oder auch in eine Farbenkuppel.

An Castel, der die Farben abhängig von den Einzeltönen sah, orientierten sich der tschechische Bildhauer Zdenek Pesanek 1928 in Prag und der baltische Pianist Baron Anatol Vietinghoff-Scheel mit seinem Chromatophon 1930 in Wien und Graz.

Im selben Zeitraum kamen auch Versuche auf, den Farbe-Ton-Zusammenhang gehör- und musikpädagogisch zu nutzen. Der Amerikaner Edward Maryon hielt es 1924 für möglich, absolutes Gehör mittels einer Farbtonskala zu lehren, ähnlich die Engländerin Louise Gros und die Deutschen Heinrich Grahl und Heribert Grüger.

Im nobelpreisgekürten Werk Glasperlenspiel (1946) schreibt Hermann Hesse: "Perrot konstruierte sich, nach dem Vorbild naiver Kugelzählapparate für Kinder, einen Rahmen mit einigen Dutzend Drähten darin, auf welchen er Glasperlen von verschiedener Größe, Form und Farbe aneinanderreihen konnte. Die Drähte entsprachen den Notenlinien, die Perlen den Notenwerten und so weiter .... Das, was aus Perrots perlenbehängten Drähten später geworden ist, trägt noch heute den volkstümlich gewordenen Namen Glasperlenspiel."

Im Verlauf der letzten Jahrzehnte werden in der Pop- und Rockmusik Livekonzerte kaum noch ohne Lightshows aufgeführt, wobei meist die Farben den unterschiedliche Lautstärken zugeordnet sind. Gleichsam alltäglich sind die Farbenspiele in den Musikvideoclips der Fernsehsender geworden.

1978 bis ...

Ein sinnvoll aufeinander bezogenes gleichzeitiges Erleben von Tönen und Farben mittels neuartiger Instrumente zur Schaffung eines abstrakten Gesamtkunstwerkes, wie es das Brockhauslexikon unter dem Stichwort Farblichtmusik fordert, ist Ende der 70er durch die Forschungsarbeiten der InFormArt-Gruppe aus München theoretisch möglich geworden.

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Eine der ersten Anregungen, die zu colormusic führten, kam von Johannes Paul, als er in Fritz Steges Buch Musik, Magie und Mystik las: Es ist die Leiter Jakobs im alten Testament ein Regenbogen oder eine prismatische Stiege, deren sieben Stufen wiederum mit den sieben Tönen identisch sind, worauf Paul die Zwölftonleiter mit dem Zwölffarbenkreis verglich.

Im Herbst 1978 erkannte der Schweizer Mathematiker, Harmonikforscher und Mitglied der Münchner InFormArt-Gruppe Hans Cousto, daß sich mit dem Gesetz der Oktave durch Frequenzverdoppelungen der Planetenbewegungen im Sonnensystem oktavanaloge Töne berechnen lassen. Mit dem Erkennen der Oktave als universelles Bindeglied konnten nun auch die Farben der Töne berechnet werden. Ton- und Farbschwingungen werden mit der Oktavformel in einer mathematisch-harmonikalen Weise sinnvoll miteinander verbunden.

Zunächst markierte das Münchner Team die Tasten eines Klaviers und die Griffbretter von Saiteninstrumenten mit den zwölf Farben und begann Konzepte für farbmusikalische Lightshows und Videoanimationen zu skizzieren.

Martin Samay aus dem Freundeskreis der InFormArt-Gruppe entwarf die ersten Noten in zwölf Regenbogenfarben. Er stellte sie als rechteckige Farbflächen auf einer Linie dar, die Tondauer angezeigt durch die Längen der Flächen und die Oktavlagen durch Symbole in den Farbflächen.

Der InFormArtist Fritz Dobretzberger hatte daraufhin die Idee, die rechteckigen Farbnoten in einem genauen Koordinatensystem darzustellen; die Notenlänge analog der Tondauer und diametral dazu die Notenlage entsprechend der Tonhöhe. Durch den Austausch der beiden Koordinaten entstand die senkrechte Keyboard-Notierung, in der die Farbnoten von unten nach oben gelesen werden, wobei - wie auf der Klaviatur - die Noten für die tiefen Töne links und die hohen Noten rechts stehen.

In den darauffolgenden Jahren komplettierten Dobretzberger und Paul das Farbnotensystem durch die Einführung der Bogennoten, welche die erhöhten und die erniedrigten Halbtöne verdeutlichen. Zudem führten sie die Grauschattierung ein, um zu kennzeichnen, mit welcher Hand die Noten auf der Klaviatur gespielt werden. Im Laufe der nächsten Jahre (1982 - 1988) perfektionierten sie die Details des colormusic-Systems.

1993 erschien im Berliner Verlag Simon + Leutner ihr Buch Farbmusik - Leitfaden für eine kombinierte Farben- und Musiklehre.

Im Herbst 1994 brachten die Autoren in der von ihnen gegründeten colormusic-Edition den Triptychon Beethovens 'Für Elise' in Farbnoten mit selbstklebenden Klaviatur-Farbmarken heraus und verschiedene Farbmusik-Postkarten, unter anderem die Europahymne An die Freude mit der Melodie von Ludwig van Beethoven und dem Text von Friedrich von Schiller.

1995 publizierten die Autoren gemeinsam mit dem Klavierpädagogen Klaus Schmid die Farbklavierschule mit den Notenheften "Easy Keys", "Kinderlieder in Farbnoten" und "Grosse Meister in Farbnoten".

1996/97 entwickelten Dobretzberger und Paul diverse Konzepte für interaktive colormusic-Computerspiele und Multimediaanwendungenm.

Im März 1997 strahlte die Deutsche Welle TV weltweit in deutsch und englisch den Beitrag "Colormusic" aus.

Seit 3. Juni 1998 ist www.colormusic.de im Internet präsent.